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SIEBEN - Erwachungsfaktoren

  • Autorenbild: Sentei
    Sentei
  • 7. Juli 2025
  • 3 Min. Lesezeit

DIE SIEBEN ERWACHENSFAKTOREN (BOJJHANGA) – DIE INNEREN SÄULEN DER BEFREIUNG




Seven Factors of Englightment

Der Buddha beschrieb den Weg zur Befreiung nicht nur als äußeren Pfad (wie den Achtfachen Pfad), sondern auch als innere Reifung bestimmter geistiger Qualitäten. Diese sieben Faktoren nennt man die „bojjhanga“ – wörtlich: Glieder des Erwachens. Sie sind keine Dogmen, sondern psychologisch präzise Beschreibungen von Zuständen, die in einem Geist auftauchen, der sich vom Leiden löst.


Sie entstehen nicht durch Willenskraft, sondern durch Übung, Achtsamkeit und die Aufgabe von Gier, Hass und Verblendung. Sie zeigen sich besonders deutlich in der Meditation, aber auch im Alltag – als subtile innere Reife.


1. Achtsamkeit (sati)


Achtsamkeit ist die Wurzel aller Befreiung. Sie bedeutet nicht Konzentration im engeren Sinne, sondern das offene, klare Gewahrsein dessen, was im gegenwärtigen Moment geschieht – innen wie außen.

Ein achtsamer Mensch sieht die Dinge, ohne sich mit ihnen zu verwechseln.

Er sieht Schmerz, ohne „Ich leide“ zu denken. Er sieht Gedanken, ohne sie zu glauben.

Diese Präsenz durchbricht die automatische Identifikation mit Erfahrung.


Im Satipatthāna-Sutta beschreibt der Buddha vier Bereiche der Achtsamkeit:

– Achtsamkeit auf den Körper

– Achtsamkeit auf Gefühle

– Achtsamkeit auf den Geist

– Achtsamkeit auf Geistesobjekte (z. B. Hindernisse, Erwachensfaktoren)


Sati ist wie das Licht in einem dunklen Raum – es vertreibt nicht die Dunkelheit, sondern macht sie sichtbar.


2. Untersuchung der Lehre (dhammavicaya)


Dies ist die geistige Neugier des Erwachenden. Dhammavicaya heißt: die Phänomene untersuchen – nicht glauben, sondern genau hinsehen.

Was ist das? Woher kommt das? Wohin führt es?


Ein Mensch mit diesem Faktor fragt nicht nur „Was passiert gerade?“, sondern auch: „Was bedingt das?“

Dieser Faktor entfaltet sich besonders bei Menschen, die eine tiefe Liebe zur Wahrheit entwickelt haben – nicht zur Meinung, sondern zur Wirklichkeit.


Im Alltag zeigt sich dieser Faktor durch das ständige Hinterfragen von Automatismen:

– Warum reagiere ich so?

– Was steckt hinter meinem Ärger?

– Ist das wirklich wahr?


Dieser Faktor schützt vor spiritueller Naivität.


3. Energie / Anstrengung (viriya)


Ohne Kraft kann der Geist nicht erwachen. Viriya ist die Qualität des Aufstehens, des Dranbleibens.

Aber Achtung: Gemeint ist keine verkrampfte Willensanstrengung, sondern eine freudige, lebendige Bereitschaft, den Weg zu gehen.


Ein Erwachender ruht nicht in Trägheit. Er kennt seine Widerstände – und steht trotzdem auf.

Viriya ist wie das Feuer unter dem Wasser: Es bringt die Praxis in Bewegung.


Der Buddha nennt vier rechte Anstrengungen:

– Unheilsames vermeiden

– Unheilsames aufgeben

– Heilsames fördern

– Heilsames bewahren


Das ist nicht moralisch gemeint – sondern energetisch. Was stärkt den Geist? Was schwächt ihn?


4. Freude / Entzücken (pīti)


Dieser Faktor wird oft unterschätzt. Viele denken, Erwachen sei nüchtern, kühl, rational. Doch in Wahrheit ist der Weg von tiefer Freude durchdrungen.

Pīti ist nicht das weltliche Vergnügen – sondern ein inneres Strahlen, das von Klarheit und Loslassen kommt.


In tiefer Meditation kann Pīti als Gänsehaut, als Leuchten, als vibrierende Energie erfahren werden.

Im Alltag zeigt sie sich als stille Dankbarkeit, als Vertrauen, als kindliche Freude an der Gegenwart.


Wenn dieser Faktor wächst, wird der Weg nicht länger als Bürde erlebt, sondern als inneres Aufblühen.


5. Ruhe / Gelassenheit (passaddhi)


Mit zunehmender Freude kehrt Ruhe ein. Passaddhi bedeutet: Der Körper und der Geist werden weich, durchlässig, entspannt.

Diese Ruhe ist nicht Trägheit – sondern lebendige Stille.


Ein ruhiger Geist urteilt weniger, hetzt weniger, reagiert weniger. Er wird weit – und kann alles enthalten, ohne sich zu verlieren.


Ruhe ist das natürliche Gegenmittel zu innerer Reizung, zu Stress, zu Getriebenheit.

Sie entsteht, wenn Vertrauen wächst und der Geist sich nicht mehr ständig verteidigen muss.


6. Sammlung / Konzentration (samādhi)


Ein gesammelter Geist ist kraftvoll, zentriert, ruhig und durchdringend. Samādhi ist nicht Konzentration im schulischen Sinne – es ist Ein-Punktigkeit des Geistes.

Wie ein ruhiger See spiegelt er alles, ohne gestört zu werden.


In dieser Sammlung ist der Geist nicht eng – sondern klar, offen und gleichzeitig stabil.

Hier beginnt tiefe Einsicht – weil der Geist nicht mehr wegläuft.


Dieser Faktor ist die Frucht der vorangehenden fünf. Wer achtsam ist, unterscheidet, gibt Energie, erfährt Freude und Ruhe – dessen Geist sammelt sich von selbst.


7. Gleichmut (upekkhā)


Der letzte Faktor ist der ausgereifteste. Gleichmut bedeutet: Nicht-Greifen, Nicht-Abstoßen, Nicht-Verlorengehen.

Er ist die Freiheit des Geistes, alles zu durchdringen, ohne sich zu verfangen.


Gleichmut heißt nicht Gleichgültigkeit. Er ist hellwach, mitfühlend, präsent – aber nicht mehr abhängig.

Er urteilt nicht. Er trägt.


Ein gleichmütiger Geist ist wie der Himmel: Gedanken, Gefühle, Erfahrungen ziehen durch – aber er bleibt unberührt.


***


Diese sieben Faktoren sind wie eine innere Spirale. Sie stärken sich gegenseitig.

Wer sie pflegt, reift von innen – nicht als Idee, sondern als gelebter Zustand.


Wenn du nicht weißt, wie du üben sollst: Pflege Achtsamkeit.

Wenn du spürst, dass du wächst: Halte inne und entdecke – vielleicht bist du schon dabei, diese sieben in dir zu entfalten.

 
 
 

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